Montag, 20. Februar 2017

Lohnsteuer 2017 Ratgeber | Das sollten sie wissen

Als Arbeitnehmer bekommen sie eine Anzahlung an die Einkommensteuer, die sogenannte Lohnsteuer, direkt vom ihrem Gehalt abgezogen. Zuständig für die Abrechnung und Abführung der Lohnsteuer ist ihr Arbeitgeber. Eine verspätete Abgabe kann einen Verspätungszuschlag von bis zu 10% der Steuer zur Folge haben. Bis zum 28. 2. des Folgejahres hat der Arbeitgeber eine elektronische Lohnsteuerbescheinigung an das Finanzamt und eine Kopie an den Arbeitnehmer auszuhändigen. Der Fiskus kassiert in Form der Lohnsteuer meistens mehr als ihm zusteht. Nur wenn Sie eine Steuererklärung abgeben, können Sie das zuviel gezahlte Geld zurückholen. Mit der richtigen Steuerklasse und Freibeträgen können Sie die Lohnsteuerzahlungen während des Jahres senken.


Auf einen Blick:


Lohnsteuer – was ist es?

LohnsteuerDie Lohnsteuer ist eine Quellensteuer – eine Erhebungsform der Einkommensteuer auf Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit. Als Arbeitnehmer sind sie einkommenssteuerpflichtig und müssen somit monatlich eine Vorauszahlung auf die Einkommenssteuer, die sogenannte Lohnsteuer abführen. Diese Aufgabe übernimmt ihr Arbeitgeber, der neben der Lohnsteuer auch die Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag vom Bruttolohn einzieht und an das Finanzamt übermittelt.

In den meisten Fällen ist die gezahlte Lohnsteuer zu hoch, weil viele persönliche Freibeträge oder abzugsfähige Belastungen nicht berücksichtigt worden sind. Die zuviel gezahlte Lohnsteuer können sie sich mit der Steuererklärung zurückholen. Beantragen Sie einen Lohnsteuerfreibetrag, um schon während es Jahres nur exakt so viel zahlen zu müssen, wie notwendig. Damit erhalten Sie monatlich mehr Nettolohn.

Lohnsteuer berechnen

Bei der Lohnsteuerberechnung müssen die für die Steuerklasse gültigen und die in den Lohnsteuermerkmalen hinterlegten Freibeträge vom Bruttoeinkommen abgezogen werden. Die Steuerlast wird abhängig von der Einkommenshöhe aus den Lohnsteuertabellen abgelesen. Auf Grundlage der Lohnsteuer wird eine evtl. fällige Kirchensteuer und der Solidaritätszuschlag berechnet.

Top Themen:

Lohnsteuerabzugsmerkmale (Elstam)

Der Arbeitgeber ermittelt die einzubeziehende Lohnsteuer auf der Grundlage der Lohnsteuerabzugsmerkmale (ElStAM) ->, die in der  Datenbank des Finanzamts abgerufen werden können.  Früher wurden diese Angaben als Einträge auf der Lohnsteuerkarte, heute als ELStAM bekannt.

Relevante Steuermerkmale sind:

  • Die gewählte Lohnsteuerklasse
  • Zahl der Kinderfreibeträge
  • Steuerfreibetrag
  • Religionszugehörigkeit
  • evtl. Alter

Wichtig: Vermeiden Sie hohe Rück-/ Nachzahlungen!

Mit der richtigen Wahl der Steuerklasse, sowie persönlichen Lohnsteuerfreibeträgen, können sie verhinden, dass zu hohe Rück- oder Nachzahlungen am Jahresende anfallen.

 

Lohnsteuertabelle

Vor der Lohnsteuer-Ermittlung muß geklärt werden, welche Steuertabelle anzuwenden ist. Für die sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer gilt die allgemeine Lohnsteuertabelle, für die nicht sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer, wie Beamte, gilt die besondere Lohnsteuertabelle.

Je nach der Art der Nutzung gibt es:

  • Monats- oder Wochentabelle für den laufenden Lohn-Steuerabzug
  • Tagestabelle für Teillohnzahlungszeiträume (Einstellung, Austritt des Arbeitnehmers)
  • Jahrestabelle für sonstige Bezüge und den Jahresausgleich.

Tabellen werden nur noch bei einer manuellen Berechnung angewendet. Die Steuertabellen werden von speziellen Verlagen veröffentlicht, die sie nach einem Allgorithmus des BMF erstellen.

In den meisten Fällen wird ein Lohnprogramm eingesetzt, das die Lohnsteuer direkt aus dem konkreten Arbeitslohnbetrag berechnet und sich somit ein wenig von der manuell berechneten Lohnsteuer nach Tabellenstufen unterscheidet.

Lohnsteuerbescheinigung

Wenn Sie ihr Arbeitsverhältnis beenden und am Jahresende, hat ihr Arbeitgeber bis zum 28. Februar des Folgejahres eine elektronische Lohnsteuerbescheinigung an das Finanzamt abzuführen. Die Bescheinigung beinhaltet Neben dem Namen und Steuer ID des Arbeitnehmers, die individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmale, sowie den Namen und Steuernummer des Arbeitgebers. Eine Kopie davon, erhalten sie, es sei denn, ihre Lohnsteuer wurde pauschal erhoben.

Lohnsteuergrenze: Soviel Gehalt ist steuerfrei

Ohne einen Antrag zu stellen, werden von Ihrem Gehalt automatisch Steuerfreibeträge für die Besteuerungsgrenze, wie Grundfreibetrag, Arbeitnehmerpauschbetrag, Sonderausgabenpauschale und Vorsorgepauschale abgezogen. In der folgenden Auflistung sehen Sie, wie viel Gehalt im Monat steuerfrei ist:

Steuerfreie Monatsgehälter in 2016

  • Steuerklasse 1 für Alleinstehende:  985 €
  • Steuerklasse 2 für Alleinerziehende: 1.179 €
  • Steuerklasse 3 für Ehepaare: 1865 €
  • Steuerklasse 4 für Ehepaare: 985 €

Grundfreibetrag und Steuertarif

Die Lohnsteuer ist eine Vorauszahlung auf die Einkommenssteuer, die zum Jahresende auf den erhaltenen Arbeitslohn geschuldet wird. In 2016 haben sich die Werte im Vergleich zu 2015 verändert. Der Steuertarif basiert auf folgenden Grundsteinen:

  • Grundfreibetrag: 8.652 EUR, Ehepartner 17.304 EUR (Stand: 2016)
  • Eingangssteuersatz: 14% gilt ab 8.354,99 EUR
  • Spitzensteuersatz: 42% (bei einem zu versteuerendem Einkommen der Alleinstehenden ab 53.666 EUR / Verheirateten 107.332 EUR)
  • Spitzensteuersatz: 45% (bei einem zu versteuerendem Einkommen der Alleinstehenden ab 254.447 EUR / Verheirateten 508.894 EUR)

Weniger Lohnsteuer zahlen: 3 Tipps zu mehr Netto

Ihr Arbeitgeber berechnet die Lohnsteuer anhand der Lohnsteuertabellen und ihrer Lohnsteuerabzugsmerkmale / ElStAM (z.B. Lohnsteuerklasse, Kinderfreibeträge, Religionszugehörigkeit, etc.). Die Angaben in der Lohnsteuertabelle können sie nicht beeinflussen. Anders sieht es mit den Gestaltungsmöglichkeiten bei Ihren persönlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen.

Tipp 1: Die richtige Steuerklasse wählen

Senken Sie mit einer richtigen Steuerklasse Ihre Lohnsteuer. Damit haben Sie monatlich mehr Nettogehalt zur Verfügung und geben dem Finanzamt kein unnötiges kostenloses Kredit mehr.

  • Als Ehepaar haben sie die Wahl. Nach ihrer Heirat werden sie automatisch der Steuerklasse 4/4 zugeteilt. Sie sollten unbedingt die für sie richtige Steuerklassenkombinationen wählen. Als Alleinerziehende sollten sie den Freibetrag für Alleinerziehende in der Steuerklasse 2 nutzen.  Lesen sie mehr: Steuerklassenwechsel richtig gemacht…
  • Lohnersatzleistungen, wie das Arbeitslosengeld, Elterngeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Kurzarbeitergeld können Sie mit einer sinnvoll gewählten Steuerklasse steigern.

Tipp: Steuerklassenrechner

Berechnen Sie mit dem Steuerklassenrechner die für Sie und Ihren Ehepartner beste Steuerklassenkombination. In der Ergebnistabelle können Sie die eventuellen Steuernachzahlungen und Erstattungen ablesen.

 

Tipp2: Lohnsteuerfreibetrag beantragen

Auch mit persönlichen Freibeträgen, für Ausgaben, die mit ihrer Beschäftigung zusammenhängen (Anfahrt zur Arbeit, Fortbildungskosten, Arbeitzimmer, etc.) oder für außergewöhnliche Belastungen und Soderausgaben, können sie ihre Lohnsteuer senken. Beantragen Sie den Eintrag der Freibeträge in die Lohnsteuerabzugsmerkmale / ElStAM.

Top Thema: Lohnsteuerfreibetrag – Lohnsteuerermäßigung beantragen ->

Tipp 3: Aus der Kirche austreten

Die Lohn- und Kirchensteuer werden zusammen abgeführt. Die Kirchensteuer beträgt je nach Bundesland 8 oder 9 Prozent der Lohnsteuer, abzüglich Kinder- und Betreuungsfreibetrag. Es ist die einzige Steuer, die sie in Deutschland „abwählen“ können, indem sie aus der Kirche austreten.

Wie hole ich mir zuviel gezahlte Lohnsteuer zurück?

Ihre Lohnsteuer wird am Jahresende vom Fiskus mit der zu zahlenden Einkommenssteuer verrechnet. Das aber nur in dem Fall, wenn Sie die Einkommenssteuererklärung abgeben. Die Abgabe lohnt sich in den meisten Fällen, im Schnitt bekommen die Arbeitnehmer rund 900 Euro erstattet.

Lohnsteueranmeldung – die Pflicht des Arbeitgebers

Als Arbeitgeber müssen Sie die Lohnsteuer berechen und die einbehaltene Lohn- und Kirchensteuer, sowie Solidaritätszuschlag bis zum 10. des Folgemonats an das Finanzamt abführen. Dazu erstellen Sie eine Lohnsteueranmeldung, die Sie per Elsterverfahren an die Finanzbehörde zusenden. Die elektronische Übermittlung ist seit dem 1.1.2015 gesetzlich vorgeschrieben.

In welchen zeitlichen Abständen die Lohn-, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag an das Finanzamt abgeführt werden muss, hängt von der Gesamtsumme der abgeführten Lohnsteuer pro Betrieb im vorangegangenen Jahr:

  • Über 4000 Euro: Die Lohnsteueranmeldung wird monatlich durchgeführt
  • 1080 Euro – 4000 Euro: Die Anmeldung wird vierteljährlich durchgeführt
  • Unter 1080 Euro: Die Anmeldung wird jährlich durchgeführt

Bei neuen Betrieben, die keine Werte vom Vorjahr vorweisen können, wird auf der Grundlage der letzten drei Monate entschieden (§41a EStG).

Verspätungszuschlag

Der Fiskus darf Ihnen bei einer verspäteten Abgabe der Lohnsteueranmeldung Verspätungszuschläge in Rechnung stellen. Die Höhe beträgt:

  • bis zu 10% der abzuführenden Lohnsteuer
  • maximal 25.000€.

Gegen diesen Zuschlag können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Einspruch erheben. Den Einspruch sollten sie ausreichend begründen!

Tipp: Rufen Sie beim Finanzamt an!

Müssen sie aufgrund ihrer Krankheit oder Urlaubs die Lohnsteueranmeldung verspätet abgeben, rufen sie bei ihrem Finanzamt an und erkundigen sich nach einer Möglichen Abgabe-Fristverlängerung.

 

Abführung ans Finanzamt

Die Anmeldung, sowie Zahlung der fälligen Lohnsteuer erfolgt durch den Arbeitgeber an das zuständige Betriebsstättenfinanzamt. Zahlung mit einem Scheck muss mindestens drei Tage vor dem Fälligkeitstermin erfolgen. Für die Überweisung gilt eine Schonfrist von drei Tagen. Bei der Überweisung  muss die Steuernummer, den Anmeldungszeitraum  und die getrennten Beträge für Lohn-, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag angegeben werden.

Die Haftung für die korrekte Abrechnung und Abführung der Lohnsteuer  liegt beim Arbeitgeber.

 

Lohnsteuer 2017 Ratgeber für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Glossar